Die Jeckes – ein virtuelles Museum

Ein packender Blick auf die entschwundene Heimat

Die virtuelle Ausstellung „Die Jeckes“ geht dem Schicksal der deutschen Jüdinnen*Juden nach, die in den 1930er-Jahren nach Palästina flüchteten.

Die Jeckes betiteln Sarah T. Burkhard und Florian Krauss ihre virtuelle Ausstellung. Mit Film- und Textmaterial sowie Zeichnungen veranschaulichen sie, was aus jenen deutschen Jüdinnen*Juden geworden ist, die nach Hitlers Machtergreifung Zuflucht in Palästina fanden, wie sie ihre Verluste und Sehnsüchte bewältigten und welchen Konflikten sie ausgesetzt waren.

Palästina stand bei den deutschen Jüdinnen*Juden nicht an erster Stelle ihrer Ziele. Die Emigration in das unterentwickelte, kaum erschlossene Land, dessen Sprache ihnen fremd war, bedeutete eine Katastrophe für sie. Mit dem Zionismus identifizierten sich die wenigsten. Im Gegenteil, es verband sie ein enges Verhältnis zur deutschen Kultur und zu Deutschland, das sie als ihre Heimat ansahen. „Jeckes“ nannte man sie, was sie als beleidigend auffassten und wohl auch so gemeint war. Mit einer Reihe von Stereotypen wie „förmlich, pedantisch und steif“ wurden sie bedacht. Sie bildeten eine Elite im Land, waren am Aufbau des Justizwesens, der Verwaltung und der medizinischen Versorgung beteiligt und galten als kultiviert und gebildet. Burkhard, Krauss und Oliver Vrankovic nahmen in Israel Gespräche mit ihnen auf.

Wie kann ein Kulturvolk morden?

Für ihre Ausstellung, die sich insbesondere an Jugendliche wendet, leiten Burkhard und Krauss die einzelnen Filmsequenzen jeweils mit einer Zeichnung der Künstlerin Kane Kampmann im Stil einer Graphic Novel ein. Die Zeichnung wird animiert und geht über in eines der Gespräche. So erzählt etwa Gertrud Klimowski, die der Inhaberfamilie der Warenhauskette Schocken entstammt, aus ihrer Schulzeit und dem Unterricht in Rassenkunde. Georg aus Berlin, der vom Judentum nichts wusste, denkt zurück an Fahrten auf dem Müggelsee, aber auch an die Beschlagnahmung des Betriebs seines Vaters. Inge Stern, die aus einer frommen jüdischen Familie stammt, schwärmt von der deutschen Sprache und erinnert sich, wie sie sich nie habe vorstellen können, dass ein Kulturvolk morde. Am Ende gelangt jede Filmsequenz wieder in einer Zeichnung zum Stillstand. Welche Filmsequenz sie sehen möchten, können die Besucher*innen der Ausstellung selbst entscheiden.

Auf einer zweiten Ebene der virtuellen Ausstellung ist die Geschichte der „Jeckes“ zu lesen. Gemäß der Recherchen des Historikers Tom Segev gelangten in den zwölf Jahren des Dritten Reichs etwa 50.000 bis 60.000 Jüdinnen*Juden aus Deutschland nach Palästina. Ihre Einreise erfolgte zum größten Teil legal im Rahmen des Ha’avara-Abkommens zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und zionistischen Vertretern. Ab 1939, als Großbritannien die Einreise nach Palästina beschränkte, kam ein geringerer Teil auf illegalen Transporten heimlich ins Land. Als eine wichtige Quelle dient Burkhard und Krauss das mittlerweile vor dem Aus stehende Museum des deutschsprachigen Judentums, das der Besitzer eines Technologie-Parks in Galiläa Stef Wertheimer stiftete.

Bildunterschrift: Poster, Ankündigung mit Datum und Webadresse, Zitate der Protagonisten, Bild Protagonistin, Graphic Novel von Kane Kampmann und CreditsFoto: Sarah Burkhard
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Bildunterschrift: Das Elternheim in dem die Jeckes ihren Lebensabend genießen. Icon von Kane Kampmann. Hierzu existiert ein Extra-Kapitel in der virtuellen Ausstellung.
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Veranstalter

Jeckes Cologne – jüdisches Leben in Köln e.V.
Christophstraßpe 44
50670 Koeln
Deutschland
Telefonnummer Zentrale: +49-(0)159-03 06 13 22
Telefonnummer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: +49-(0)159-03 06 13 22
E-Mail-Adresse: s.burkhard37@gmail.com

Veranstaltungen

01.08. bis 31.12.2021
Ausstellung | Geschichte
Link zu digitalem Angebot: https://jeckesmuseum.de
Link zur Veranstaltung: https://jeckesmuseum.de
Eintritt frei
Barrierefreier Zugang